• Roger Lustenberger

Nordlicher fotografieren

Mittlerweilen konnte ich schon einige Erfahrungen mit Aufnahmen von Nordlichtern sammeln und somit auch meine Technik verfeinern bzw. optimieren. Da ich in meinem Bekanntenkreis schon oftmals gefragt wurde, welche Einstellungen man an der Kamera vornehmen soll, habe ich mich entschieden, dem Thema einen Blogeintrag zu widmen:


Was sind Nordlichter (Aurora Borealis):


Das Polarlicht (als Nordlicht auf der Nordhalbkugel wissenschaftlich Aurora Borealis, als Südlicht auf der Südhalbkugel Aurora Australis) ist eine Leuchterscheinung durch angeregte Stickstoff- und Sauerstoffatome der Hochatmosphäre (Elektrometeor), die in Polargebieten beim Auftreffen beschleunigter geladener Teilchen aus der Erdmagnetosphäre auf die Atmosphäre hervorgerufen wird. Polarlichter sind meistens in zwei etwa 3 bis 6 Breitengrade umfassenden Bändern in der Nähe der Magnetpole zu sehen (Quelle Wikipedia)


Oft reagieren Freunde überrascht, wenn ich ihnen erzähle, dass ich bereits schon Ende August in Trondheim Auroras fotografiert habe. Der Grund liegt darin, dass das Universum im Sommer grundsätzlich keine Pause macht. Jedoch ist es in den Frühling- und Sommermonaten April, Mai, Juni, Juli und auch im August in den nördlichen Breitengraden einfach zu hell, um die Auroras überhaupt sehen zu können. Ab Ende August werden dann im Norden die Nächte langsam aber sicher wieder dunkler.


Voraussetzungen zur Sichtung und Fotografie von Auroras:


Grundvoraussetzung ist eine klare Sicht, d.h. es darf nur sehr wenige bis gar keine Wolken haben. Umso nördlicher der Standort, desto grösser die Chance für Auroras, d.h. für gute Chancen sollte man sich schon über dem Polarkreis befinden, denn dort werden die Sonnenwind-Aktivitäten stärker sichtbar. Bei sehr starken Sonnenwind-Aktivitäten ist dies auch schon auf tieferen Breitengraden möglich (selbst in Hamburg wurden schon Aurora-Aufnahmen gemacht). Ich habe mir die Aurora-App „AuroraNow“ heruntergeladen. Diese war bis anhin sehr zuverlässig und bietet eine 3-Tagesvorhersage an. In der Regel ist ab KP 3 - Wert immer mit guten Aurora-Aktivitäten zu rechnen, so dass es sich für Fotografen lohnt. Nicht berücksichtigt auf der App ist das Wetter. In Norwegen, wo ich hauptsächlich auf Aurorajagd war, sind strom.no und yr.no sehr zuverlässig. Diese korrigieren das Wetter manchmal innert 12 Stunden, was im Norden nicht ungewöhnlich ist. Also eher kurzfristig planen. Und wenn alles stimmt, dann ist zwischen 21.00 - 02.00 Uhr die Zeit, wo ich bisher am Meisten Auroras sichten konnte (obwohl es im Winter in hohen Breitengraden z.T. bereits nach dem Mittag dunkel ist).


Ausrüstung / Kameraeinstellungen


Folgende Ausrüstung für Aurorafotografie hat sich bei mir bewährt:


  • moderne Digitalkamera mit rauscharmen Sensoren und hoher ISO-Fähigkeit (ich fotografiere mit der Sony alpha 7rm II und 7rm III (full frame mirrorless)

  • lichtstarkes Weitwinkelobjektiv (f/2.8 oder wenn vorhanden noch tiefer), je lichtstärker, desto kürzer die Belichtungszeiten

  • stabiles Stativ. Ohne Stativ sind keine scharfen Aufnahmen möglich

  • ev. Fernauslöser (ich arbeite jedoch mit dem integrierten Timer in der Kamera), für Timelapse-Bilder ist jedoch ein programmierbarer Fernauslöser unerlässlich (Sony hat z.T. bereits in der Kamera integrierte timelaps-apps)

  • Ersatzakkus (Akkus am besten bei extremer Kälte nahe am Körper aufbewahren)

  • ausreichend Speichermedien

  • Linsenputztuch (je nach Kälte und Witterung - ich hatte kürzlich ein wenig Bodennebel, da wird die Linse schnell feucht)

  • der Witterung angepasste Kleidung, selbst bei 2-3 Grad kann es schnell kalt werden, wenn man mehrere Stunden in der Kälte steht oder rumsitzt


Einstellungen Kamera


Die Aufnahmen erstelle ich im manuellen Modus (M). Ich starte jeweils mit einigen Testaufnahmen, Belichtungszeit ca. 8-10 Sekunden sowie ISO 500-1000 (bei f/2.8).

Sind die Auroras eher schwach, also nur als leichte Dunststreifen von blossem Auge erkennbar, ist die Belichtungszeit entsprechend zu verlängern (z.B. 13-15 Sekunden, ISO bei 500-1000).

Hat man eine Kamera mit gutem High-ISO-Verhalten, kann der ISO-Wert gerne mal auf 3.200 oder höher eingestellt werden. Ich versuche jedoch den ISO-Wert aufgrund das Bildrauschens eher so tief wie möglich zu halten.

Ich fotografiere immer im RAW-Format. Es ist einfacher, die Bilder anschliessend am PC noch ein wenig zu optimieren (gerade im Bereich das Weissabgleichs kann man im RAW-Format uneingeschränkt korrigieren). Ansonsten empfehle ich je nach stärke der Auroras einen Weissabgleichwert von 4000-6000K.

Das Weitwinkelobjektiv ist auf unendlich scharf zu stellen. Man kann dies auch tagsüber vorbereiten, eine Markierung setzen und dies am Objektiv mit einem Klebeband fixieren, damit dies nicht wieder aus Versehen umgestellt wird. Mit den neueren Sony Kameras kann man das ganz einfach auch via Fokus Peaking (auch Kantenabhebung genannt) scharf stellen. Befasst euch also vorher mit diesem Thema. Es gibt nichts ärgerlicheres, als mühselig die Einstellungen zu suchen, während die Auroras über einem bereits tanzen. Und übrigens: Stirnlampe ebenfalls nicht vergessen.



Weitere Tipps zu Motiven und Spots


Ich suche mir die Spots jeweils bereits am Tag aus. In der Regel erscheinen die Auroras in Blickrichtung Norden (muss aber nicht zwingend immer so sein). Somit halte ich Ausschau nach entsprechenden Plätzen, so dass ich abends nur noch zu diesen Spots hin kann. Kriterien sind für mich Plätze an Fjorden oder Seen mit Blick auf Berge (Spiegelungen). Es gibt einen viel schöneren Kontrast und belebt ein Aurora-Bild, wenn Berge oder Wasser im Vordergrund zu sehen sind. Der Fantasie sind jedoch keine Grenzen gesetzt und es gibt kein „Richtig“ oder „Falsch“. Es können auch Häuser, Autos, Boote, Bäume etc. im Vordergrund stehen, was einem so passt.




Einer der besten Orte für Aurora-Fotografie ist Tromsø, da Tromsø direkt unter dem Nordlichtgürtel liegt (auch bei nicht starken Sonnenwindaktivitäten sind die Chancen in Tromsø durchwegs intakt). Hier kenne ich mittlerweilen schon sehr viele gute und beliebte Spots. Die Anreise aus der Schweiz ist relativ einfach und Unterkünfte stehen zahlreich zur Verfügung (Hotels, Airbnbs etc.). Wer sich nicht sicher fühlt und nicht mit einem Mietfahrzeug selber zu den Spots fahren möchte, dem stehen zahlreiche örtliche Aurora-Hunter-Anbieter zur Verfügung. Für Tipps zu Spots und einer Top-Unterkunft, von welcher aus wir an 2 Abenden die Auroras vor dem Appartement beobachten konnten, gebe ich gerne auf direkte Anfrage Auskunft.




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