Nordlichter fotografieren
- Roger Lustenberger

- 22. März 2025
- 8 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 18. Jan.
DE: Mittlerweilen konnte ich schon einige Erfahrungen mit Aufnahmen von Nordlichtern sammeln und somit auch meine Technik verfeinern bzw. optimieren. Da ich in meinem Bekanntenkreis schon oftmals gefragt wurde, welche Einstellungen man an der Kamera vornehmen soll, habe ich mich entschieden, dem Thema einen Blogeintrag zu widmen:
Was sind Nordlichter (Aurora Borealis):
Das Polarlicht (als Nordlicht auf der Nordhalbkugel wissenschaftlich Aurora Borealis, als Südlicht auf der Südhalbkugel Aurora Australis) ist eine Leuchterscheinung durch angeregte Stickstoff- und Sauerstoffatome der Hochatmosphäre (Elektrometeor), die in Polargebieten beim Auftreffen beschleunigter geladener Teilchen aus der Erdmagnetosphäre auf die Atmosphäre hervorgerufen wird. Polarlichter sind meistens in zwei etwa 3 bis 6 Breitengrade umfassenden Bändern in der Nähe der Magnetpole zu sehen (Quelle Wikipedia)
Oft reagieren Freunde überrascht, wenn ich ihnen erzähle, dass ich bereits schon Ende August in Trondheim Auroras fotografiert habe. Der Grund liegt darin, dass das Universum im Sommer grundsätzlich keine Pause macht. Jedoch ist es in den Frühling- und Sommermonaten April, Mai, Juni, Juli und auch im August in den nördlichen Breitengraden einfach zu hell, um die Auroras überhaupt sehen zu können. Ab Ende August werden dann im Norden die Nächte langsam aber sicher wieder dunkler.
Voraussetzungen zur Sichtung und Fotografie von Auroras:
Grundvoraussetzung ist eine klare Sicht, d.h. es darf nur sehr wenige bis gar keine Wolken haben. Umso nördlicher der Standort, desto grösser die Chance für Auroras, d.h. für gute Chancen sollte man sich schon über dem Polarkreis befinden, denn dort werden die Sonnenwind-Aktivitäten stärker sichtbar. Bei sehr starken Sonnenwind-Aktivitäten ist dies auch schon auf tieferen Breitengraden möglich (selbst in Hamburg wurden schon Aurora-Aufnahmen gemacht). Ich habe mir die Aurora-App „AuroraNow“ heruntergeladen. Diese war bis anhin sehr zuverlässig und bietet eine 3-Tagesvorhersage an. In der Regel ist ab KP 3 - Wert, sofern man über dem Polarkreis unterwegs ist, immer mit guten Aurora-Aktivitäten zu rechnen, so dass es sich für Fotografen lohnt. Nicht berücksichtigt auf der App ist das Wetter. In Norwegen, wo ich hauptsächlich auf Aurorajagd war, sind strom.no und yr.no sehr zuverlässig. In Finnland ist die App FMI Weather sehr zuverlässig. Diese korrigieren das Wetter manchmal innert Stunden, was im Norden nicht ungewöhnlich ist. Also eher kurzfristig planen. Und wenn alles stimmt, dann ist zwischen 21.00 - 02.00 Uhr die Zeit, wo ich bisher am Meisten Auroras sichten konnte (obwohl es im Winter in hohen Breitengraden z.T. bereits nach dem Mittag dunkel ist).
Ausrüstung / Kameraeinstellungen
Folgende Ausrüstung für Aurorafotografie hat sich bei mir bewährt:
moderne Digitalkamera mit rauscharmen Sensoren und hoher ISO-Fähigkeit (ich fotografiere mit der Sony alpha 1 und Sony alpha 7rV (full frame mirrorless)
lichtstarkes Weitwinkelobjektiv (f/2.8 oder wenn vorhanden noch tiefer), je lichtstärker, desto kürzer die Belichtungszeiten
stabiles Stativ. Ohne Stativ sind keine scharfen Aufnahmen möglich
ev. Fernauslöser (ich arbeite jedoch mit dem integrierten Timer in der Kamera), für Timelapse-Bilder ist jedoch ein programmierbarer Fernauslöser unerlässlich (Sony hat z.T. bereits in der Kamera integrierte timelaps-apps)
Ersatzakkus (Akkus am besten bei extremer Kälte nahe am Körper aufbewahren)
ausreichend Speichermedien
Linsenputztuch (je nach Kälte und Witterung - ich hatte kürzlich ein wenig Bodennebel, da wird die Linse schnell feucht)
der Witterung angepasste Kleidung, selbst bei 2-3 Grad kann es schnell kalt werden, wenn man mehrere Stunden in der Kälte steht oder rumsitzt
Einstellungen Kamera
Die Aufnahmen erstelle ich im manuellen Modus (M). Ich starte jeweils mit einigen Testaufnahmen, Belichtungszeit ca. 8-10 Sekunden sowie ISO 500-1000 (bei f/2.8).
Sind die Auroras eher schwach, also nur als leichte Dunststreifen von blossem Auge erkennbar, ist die Belichtungszeit entsprechend zu verlängern (z.B. 13-15 Sekunden, ISO bei 1000-2000).
Hat man eine Kamera mit gutem High-ISO-Verhalten, kann der ISO-Wert gerne mal auf 3.200 oder höher eingestellt werden. Ich versuche jedoch den ISO-Wert aufgrund das Bildrauschens eher so tief wie möglich zu halten. Aber da hat jeder Fotograf seine eigene Philosophie.
Ich fotografiere immer im RAW-Format. Es ist einfacher, die Bilder anschliessend am PC noch ein wenig zu optimieren (gerade im Bereich das Weissabgleichs kann man im RAW-Format uneingeschränkt korrigieren). Ansonsten empfehle ich je nach stärke der Auroras einen Weissabgleichwert von 4000-6000K.
Das Weitwinkelobjektiv ist auf unendlich scharf zu stellen. Man kann dies auch tagsüber vorbereiten, eine Markierung setzen und dies am Objektiv mit einem Klebeband fixieren, damit dies nicht wieder aus Versehen umgestellt wird. Mit den neueren Sony Kameras kann man das ganz einfach auch via Fokus Peaking (auch Kantenabhebung genannt) scharf stellen. Befasst euch also vorher mit diesem Thema. Es gibt nichts ärgerlicheres, als mühselig die Einstellungen zu suchen, während die Auroras über einem bereits tanzen. Und übrigens: Stirnlampe ebenfalls nicht vergessen.
Weitere Tipps zu Motiven und Spots
Ich suche mir die Spots jeweils bereits am Tag aus. In der Regel erscheinen die Auroras in Blickrichtung Norden (muss aber nicht zwingend immer so sein). Somit halte ich Ausschau nach entsprechenden Plätzen, so dass ich abends nur noch zu diesen Spots hin kann. Kriterien sind für mich Plätze an Fjorden oder Seen mit Blick auf Berge (Spiegelungen). Es gibt einen viel schöneren Kontrast und belebt ein Aurora-Bild, wenn Berge oder Wasser im Vordergrund zu sehen sind. Der Fantasie sind jedoch keine Grenzen gesetzt und es gibt kein „Richtig“ oder „Falsch“. Es können auch Häuser, Autos, Boote, Bäume etc. im Vordergrund stehen, was einem so passt.
EN: I have gained some experience in capturing images of the Northern Lights and have refined my technique. Since many people in my circle have often asked me about the camera settings, I decided to dedicate a blog post to this topic.
What are Northern Lights (Aurora Borealis):
The polar light (scientifically known as Aurora Borealis in the Northern Hemisphere and Aurora Australis in the Southern Hemisphere) is a luminous phenomenon caused by excited nitrogen and oxygen atoms in the upper atmosphere (electrometeor). It occurs in polar regions when accelerated charged particles from the Earth’s magnetosphere collide with the atmosphere. Northern lights are usually visible in two bands about 3 to 6 degrees wide near the magnetic poles (Source: Wikipedia).
Often, friends are surprised when I tell them that I have already photographed Auroras in Trondheim at the end of August. The reason is that the universe doesn't take a break in summer. However, during the spring and summer months - April, May, June, July, and even August - it’s simply too bright in the northern latitudes to see the Auroras. By the end of August, the nights in the north slowly start to get darker again.
Requirements for Viewing and Photographing Auroras:
The fundamental requirement is a clear view, meaning there should be very few or no clouds. The further north you are, the better your chances of seeing Auroras. Therefore, for good opportunities, you should be above the Arctic Circle, where solar wind activities are more visible. During very strong solar wind activities, it is also possible to see Auroras at lower latitudes (Aurora sightings have even been reported in Hamburg). I downloaded the Aurora app "AuroraNow," which has been very reliable and offers a 3-day forecast. Generally, if the KP value is 3 or higher, you can expect good Aurora activities if you’re above the Arctic Circle, making it worthwhile for photographers. However, the app does not account for weather conditions. In Norway, where I mainly hunted for Auroras, the websites strom.no and yr.no are very reliable. In Finland, the FMI Weather app is also dependable. These sources update weather information frequently, which is not unusual in the north. So, it's better to plan short-term. When everything aligns, I've seen the most Auroras between 9 PM and 2 AM (even though it can be dark in winter at high latitudes by midday).
Equipment / Camera Settings
The following equipment for Aurora photography has worked well for me:
Modern digital camera with low noise sensors and high ISO capability (I use the Sony Alpha 1 and Sony Alpha 7R V, both full-frame mirrorless).
A fast wide-angle lens (f/2.8 or lower if available); the faster the lens, the shorter the exposure times.
A stable tripod. Without a tripod, sharp photos are impossible.
Possibly a remote shutter release (I use the built-in timer in the camera), but for time-lapse images, a programmable remote shutter release is essential (Sony has built-in time-lapse apps in some cameras).
Spare batteries (keep batteries close to your body in extreme cold).
Sufficient storage media.
Lens cleaning cloth (depending on cold and weather; I recently had some ground fog, which can quickly dampen the lens).
Weather-appropriate clothing; even at 2-3 degrees, it can get cold quickly if you stand or sit in the cold for several hours.
Camera Settings
I create the shots in manual mode (M). I usually start with some test shots, using an exposure time of about 8-10 seconds and ISO 500-1000 (at f/2.8). If the Auroras are weak and only visible as faint streaks to the naked eye, I extend the exposure time (e.g., 13-15 seconds, and set ISO to 1000-2000).
If your camera has good high ISO performance, you can set the ISO value to 3200 or higher. However, I try to keep the ISO value as low as possible due to image noise, but each photographer has their own philosophy.
I always shoot in RAW format. It’s easier to optimize the images on the computer afterward (especially for white balance, which can be corrected freely in RAW format). Depending on the strength of the Auroras, I recommend a white balance setting between 4000-6000K.
The wide-angle lens should be set to infinity focus. You can prepare this during the day by marking it and fixing it with tape to prevent it from being accidentally changed later. With newer Sony cameras, you can easily set the focus using focus peaking. Familiarize yourself with this beforehand. There’s nothing more frustrating than searching for settings while Auroras are dancing above you. And don’t forget a headlamp!
Additional Tips for Subjects and Locations
I usually choose my spots during the day. Generally, Auroras appear in the northern direction (but this is not always the case). So, I look for suitable locations so that I can head to these spots in the evening. Criteria for me include places by fjords or lakes with a view of mountains (reflections). There’s a much nicer contrast and it livens up an Aurora picture when mountains or water are visible in the foreground. However, the imagination has no limits, and there’s no “right” or “wrong.” You can include houses, cars, boats, trees, etc., in the foreground, depending on your preference.
DE: Einer der besten Orte für Aurora-Fotografie ist Tromsø, da Tromsø direkt unter dem Nordlichtgürtel liegt (auch bei nicht starken Sonnenwindaktivitäten sind die Chancen in Tromsø durchwegs intakt) sowie finnisch Lappland. Hier kenne ich mittlerweilen schon sehr viele gute und beliebte Spots. Die Anreise aus der Schweiz ist relativ einfach und Unterkünfte stehen zahlreich zur Verfügung (Hotels, Airbnbs etc.). Wer sich nicht sicher fühlt und nicht mit einem Mietfahrzeug selber zu den Spots fahren möchte, dem stehen zahlreiche örtliche Aurora-Hunter-Anbieter zur Verfügung. Für Tipps zu Spots und einer Top-Unterkunft, von welcher aus wir an 2 Abenden die Auroras vor dem Appartement beobachten konnten, gebe ich gerne auf direkte Anfrage Auskunft.
EN: One of the best places for Aurora photography is Tromsø, as it lies directly under the Northern Lights belt (even with low solar wind activity, the chances in Tromsø are consistently good), as well as Finnish Lapland. I now know many great and popular spots there. Traveling from Switzerland is relatively easy, and there are plenty of accommodations available (hotels, Airbnbs, etc.). For those who don’t feel confident driving to the spots with a rental car, there are numerous local Aurora hunter providers available. I am happy to provide tips on spots and a top accommodation from which we were able to observe the Auroras in front of the apartment on two evenings upon direct request.

































































Die Rolle der Mondphasen
Ein oft unterschätzter Faktor ist die Mondphase. Während absolute Dunkelheit ideal für schwache Auroras erscheint, kann ein Halbmond oder sogar Vollmond die Landschaft subtil ausleuchten und dramatische Kontraste schaffen. Das Mondlicht ermöglicht es, Details in der Landschaft ohne zusätzliche Beleuchtung sichtbar zu machen, was besonders bei Schmuckkästchen aus Leder von Vorteil ist – sorry, kleiner Scherz! Natürlich meinte ich: bei Landschaftsaufnahmen mit Auroras im Hintergrund.
Erweiterte Techniken für professionelle Nordlichtfotografie
Fantastischer Beitrag zur Nordlichtfotografie! Als Ergänzung zu den bereits genannten Grundlagen möchte ich einige weniger bekannte Aspekte der Aurora-Fotografie teilen, die den Unterschied zwischen guten und außergewöhnlichen Aufnahmen ausmachen können.
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